Nordkorea, in Treue fest, einstweilen

scheusslich_faszinierend
Scheußlich-faszinierend: Nordkorea gefällt in China nicht immer, beeindruckt aber durch seine Fernsehbilder

Derzeit ist deutlich erkennbar, wer in den chinesisch-nordkoreanischen Beziehungen wen am meisten braucht: Pyongyang sucht den Schulterschluss mit Beijing, seinem einzigen maßgeblichen Handelspartner weltweit.

Das ist nicht immer so, und wird, sofern das nordkoreanische Regime sich erfolgreich nuklear bewaffnet, auch nicht unbedingt so bleiben – in dieser Hinsicht hängt viel davon ab, wer nach einem nuklearen technischen Durchbruch bereit ist, sich mit einem nuklearen Status Pyongyangs abzufinden und die Sanktionen gegen Nordkorea abzuhaken.
Auf einen nuklearen Schirm Chinas würde Nordkorea sich jedenfalls nicht verlassen wollen.

Der italienische Koreanistiker Maurizio Riotto beschrieb vor über acht Jahren, wie Nordkorea – oder zumindest seine Oberschicht – über China denkt, und woher das historische Misstrauen dem großen Hegemon gegenüber rührt: „Sie fürchten, wie Tibet zu werden.“

Entsprechend lauwarm (und selbstbezogen) fiel auch ein Antworttelegramm*) des chinesischen Partei- und Staatschefs Xi Jinping auf vorheriges Glückwunschtelegramm des nordkoreanischen Partei- und Staatschefs Kim Jong-un aus.
Ähnlich selbstbezogen wirkt der Besuch einer Delegation von Mitarbeitern der chinesischen Botschaft in Norkorea am Denkmal der chinesischen Kriegstoten der Schlacht vom Changjin-Stausee (koreanisch: Chosin), die der chinesischen Propaganda derzeit den Stoff für einen Berichten zufolge erfolgreichen Film liefert. Diese Schlacht, ebenso wie der Koreakrieg insgesamt, werden von der chinesischen Führung deutlich anders eingeschätzt (oder jedenfalls der Öffentlichkeit vermittelt) als dieser Wiki-Artikel es darstellt – und die chinesische Geschichtsschreibung war in ihren Erkenntnissen auch schon einmal weiter als heute.

Trotz der chinesischen Eitelkeiten, die Nordkorea nur insofern schmeicheln, als sie über Kim il-Sung als hauptsächlichen Verursacher des Koreakrieges schweigen, wirft sich Pyongyang seinerseits propagandistisch mit Elan für Beijing in die internationale Bresche – gestern mit einer Erklärung des nordkoreanischen Außenministeriums: „Die Lage von Taiwan ist nicht isoliert von der Situation auf der Koreanischen Halbinsel“. Hier wird auch eine Art Schicksalsgemeinschaft Chinas und Nordkoreas beschworen.

Nicht unwahrscheinlich, dass man das in Beijing distanzierter sieht. Soweit es Nordkorea möglich ist, wird es seine auswärtigen Beziehungen gerne diversifizieren.
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Anmerkung

*) Es bleibt unklar, ob „Telegramm“ nach wie vor wörtlich zu nehmen ist, oder ob diese Art Korrespondenz einfach nur gefaxt wird.
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