Radio Rumänien International, 20.05.22: Alle Segel hoch!

Radu Tudorans Abenteuerroman von 1954 - Alle Segel hoch
„Alle Segel hoch“ – Freiheit und Abenteuer im Rumänien der 1950er und 1970er Jahre – siehe unten, „C. Literaturprogramm“

Uhrzeit: 14:00 UTC (16:00 MESZ). Frequenz: 9600 kHz

A. Nachrichten — Link für alle nachstehenden Nachrichten vom 20.05.22
Rumänischer Außenminister Bogdan Aurescu bekräftigt Notwendigkeit umfassenderer Bemühungen auf internationaler Ebene zur Schaffung eines Transportkorridors zur Erleichterung ukrainischer Exporte
Rumänisches Arbeitsministerium will rumänische Arbeitnehmer im EU-Ausland vor Ausbeutung schützen
Die Industrieregion Donbas wurde laut ukrainischem Präsidenten Zelensky vollständig zerstört
Sport: Rumänische Tennisspielerin Simona Halep trifft in erster Runde des Grand-Slam-Turniers von Roland Garrosam (beginnt am Sonntag in Paris) auf ihre kroatische Kollegin Ana Konjuh
B. Funkjournal, zwei ausführliche Beiträge
Portugiesischer Premierminister besucht Rumänien, unterzeichnet Verteidigungsabkommen Hier herunterlad- und nachhörbar ab 06′ 30“ mit Datum 20.05.
„Eurojust“ und „soziale Resilienz“ aus Sicht des EU-Parlaments Hier herunterlad- und nachhörbar ab 09′ 52“ mit Datum 20.05.
C. Literaturprogramm
Radu Tudoran (1910 – 1992), Autor des laut Radio Rumänien populärsten Abenteuerromans im Land: Alle Segel hoch, rumänisch Toate panzele sus. Biografie Tudorans derzeit nur auf Englisch bei RRI nachlesbar, aber auf Deutsch nachhörbar hier, ab 12′ 54“. Seine Familiengeschichte gibt es noch dazu, und auch die Adaption des Buches zu einer Fernsehserie (ca. 1976 – 1978) ist Thema. Warum sie zu einem Hit wurde, kann man sich vielleicht schon vorstellen, wenn man den Plot liest.

D. Musikprogramm
Marianne Angel (geschrieben wie gehört und vermutlich orthografisch ganz anders), Sängerin und Gesangslehrerin aus Siebenbürgen – beginnt bei 32′ 32“, Podcast vom 20.05.22.

E. Touristisches Magazin
Die Hectorstraße (Strada Hector) in Temeswar (Timișoara), und der Hund, der ihr seinen Namen gab – beginnt bei 50′ 00′, Podcast vom 20.05.22.

„Die Sicherheitsbehörden des Bundes haben die Verwendung des Symbols im Blick“

Aus Sicht der bundesdeutschen politischen Klasse reicht es nicht mehr, die Öffentlichkeit angesichts der russischen Invasion der Ukraine zu emotionalisieren – man muss ihr bei Bedarf auch drohen.
Das aber ist problematisch; zumindest dann, wenn man es so anfängt wie das Bundesinnenministerium in einem Tweet vom 28. März:

20220404_bundesinnenministerium_drohung
Tweet des BMI, 28.03.22

Wie soll der Leser das einordnen? Was passiert, wenn er die „Operation Urgent Fury“ oder die „Operation Just Cause“ billigend kommentiert? Und werden Versuche, das Strafrecht in solchen Fällen politisch zu verwerten, ebenso konsequent verfolgt – und von den Medien berichtet – wie im Fall der russischen Invasion?

Darf man Liu Xiaobo , Friedensnobelpreisträger 2010, dann noch – billigend – zitieren? Oder verbucht man das als Satire?

Wir können ihn nicht mehr fragen – er starb 2017 nach langer politischer Haft.

Aber wir können sehen, wie die bundesdeutsche politische Klasse mit ihrem opportunistischen Arsch einreißt, was Europäer, Amerikaner und Soldaten aus aller Welt, die gegen Nazi-Deutschland kämpften, unserem Land ermöglicht haben, und was „die Mütter und Väter des Grundgesetzes“ im Rahmen dieser Möglichkeiten aufbauten.

Herzlichen Glückwunsch.

Radio Taiwan International auf Russisch: „Unterstützung in schwierigen Zeiten“

Asien beginnt an der polnischen Ostgrenze: "Westasien" laut taiwanischem Außenministerium (Link)

Asien beginnt am Bug: „Westasien“ laut taiwanischem Außenministerium(Link)

Radio Taiwan International (RTI) hat sein russischsprachiges Kurzwellenprogramm ausgebaut,

berichtete die deutschsprachige Nachrichtensendung des taiwanischen Auslandssenders am Freitagabend (vergleiche Tabelle am Eintragsende).

Damit soll Hörern auch während des andauernden Krieges in der Ukraine ein zuverlässiger Nachrichtenkanal geboten werden.
Der russische Nachrichtenkanal jährte sich bereits zum 28. Mal. Seit dem 27. März ist es Menschen in der Ukraine und Westrussland nun möglich, über zwei Frequenzen das 30-minütige russischsprachige Programm von RTI zu hören. Die News und Programme können über die Frequenz 6005 kHz von 20:00 bis 20:30 Uhr UTC*), sowie über die Frequenz 5900 kHz von 17:00 bis 17:30 UTC gehört werden.
Als Antwort auf den Konflikt in der Ukraine hat der russische RTI-Service auch seine Präsenz auf der russischen Social Media-Webseite VK erhöht. Weiterhin hat Rti einen Account auf dem Nachrichtendienst Telegram erschaffen, welcher auch in Russland verbreitet ist. Damit werden russische Blockaden von Social Media-Webseiten wie Facebook und Instagram überbrückt.

Die beiden Halbstundenübertragungen sind inhaltlich gleich, und zumindest laut einem früheren China-Radio-International-Mitarbeiter (Identität von mir nicht überprüft), der nicht sonderlich begabt darin ist, sich freundlich über Menschen und Institutionen zu äußern, geht es in ihnen inhaltlich nur um Taiwan. Das wiederum will er „bei einem Mittagessen“ mit Mitarbeitern des RTI-Französischdienstes erfahren haben.

Die Luft bei RTI könnte für derartige Plaudereien aus dem Nähkästchen allerdings dick genug sein: die derzeitige Regierung scheint eher auf ein neu eingeführtes Auslandsfernsehen zu setzen als auf das traditionelle Auslandsradio, und Radio und Fernsehen, beides auf einmal, kostet natürlich extra, und schafft womöglich Redundanzen. Andererseits leistet sich das demokratische Taiwan, das von seinem übermächtigen Nachbarn China international möglichst weitgehend aus dem diplomatischen Rampenlicht gehalten wird, ungewöhnlich viele staatliche Auslandsmedien – und dass man die Axt in existenziellem Maße ausgerechnet an das multilinguale Auslandsradio legen wird, steht eher nicht zu erwarten.

Blumig fällt die Darstellung RTIs bei der taiwanischen Nachrichtenagentur CNA in einem wohl überwiegend fürs Inland verfassten Artikel aus: nach den Sperrmaßnahmen Russlands gegen ausländische Medien „durchbrechen die Kurzwellensendungen auf Russisch den Belagerungsring und senden weiter für russischsprachige Gebiete“. RTI erhalte auch Rückmeldungen von ukrainischen Hörern, die sich für die „Unterstützung in schwierigen Zeiten“ bedankten.

(中央社記者葉冠吟台北9日電)俄羅斯入侵烏克蘭,更祭出嚴格媒體限制、管控新聞。台灣每天以短波廣播的央廣俄語節目,突破重圍,持續對俄語地區播音,更收到烏克蘭聽眾來信,感謝在艱難時期給予支持。

Und:

Seit der Ankündigung von Militäroperationen gegen die Ukraine durch Russland hat RTI Russisch sofort berichtet und bezüglich der Kriegslage detailliert und umfänglich berichtet.
自俄羅斯宣布對烏克蘭展開軍事行動,央廣俄語節目就在第一時間報導相關訊息,並隨時針對戰事情況、國際反應、局勢變化等做詳盡完整的報導。

Die chinesischsprachigen Seiten des RTI-Onlineauftritts berichten tatsächlich recht ausführlich über den Russland-Ukraine-Krieg – inwieweit das für den russischen Sprachdienst zutrifft, kann ich nicht beurteilen. Zumindest am Samstag handelte es sich bei den beiden (identischen) Halbstundenprogrammen um 17 und 20 Uhr aber – wie an Wochenenden üblich – um Hörerpost und Kulturgeschichte.

Das zusätzliche Russischprogramm um 20 Uhr wurde allerdings anscheinend gejammt – das lässt vermuten, dass RTI Russisch zumindest aktueller ist, als es der Moskauer Zensur gefällt.

Auch der deutschsprachige Dienst bei RTI berichtet – aber nicht als Hauptthema – über den Krieg; zum einen in den zehnminütigen Nachrichtensendungen an Werktagen, und gelegentlich auch in weiteren Programmen, wie zum Beispiel den dienstäglichen „Schlagzeilen der Woche“.

Am 15. März berichtete das Programm zum Beispiel über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegs auf Taiwan und die gesellschaftlichen Reaktionen in Taiwan. Hier ging man sowohl auf den eher geringen Umfang taiwanisch-russischer Handelsbeziehungen ein, als auch darauf, dass Vladivostok für die Taiwaner Fischereiflotte einen wichtigen Stützpunkt darstelle, und vier Taiwaner Banken russische Staatsanleihen über etliche Milliarden US-Dollar hielten, die Russland jetzt nur noch in Rubeln bedienen wolle, nachdem Moskau auch Taiwan auf eine Liste „unfreundlicher Länder und Territorien“ gesetzt hatte.

Ebenfalls nicht uninteressant dürfte ein Überblick über die taiwanische Spritpreisentwicklung gewesen sein – die Taiwan für viele Deutsche zu einem Sehnsuchtsort machen dürften.

Empfangsmöglichkeiten auf Kurzwelle

Uhrzeit GMT*) Frequenz Sender Empfang
Radio Taiwan International auf Russisch
11:00 – 11:58 9490 kHz (regulär) Paochung kaum
17:00 – 17:30 5900 kHz (reguär) Kostinbrod gut
20:00 – 20:30 6005 kHz (zusätzlich) Kostinbrod OK
Radio Taiwan International auf Deutsch
19:00- 19:30 5900kHz (regulär) Kostinbrod gut

Im Internet

auf Russisch und auf Deutsch, sowie in mindestens neun weiteren Sprachen.
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Anmerkung

*) GMT (Greenwich Mean Time) und UTC (Universal Time Coordinated) sind gleichbedeutend.
GMT (oder UTC) + 2h = Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ)
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Radio Ukraine auf Englisch

Das ukrainische Inlandsradio sendet üblicherweise um 02:00 MEZ (03:00 Ukrainer Ortszeit) etwa drei  bis vier Minuten lang Nachrichten auf Englisch. Da auch die Ukraine in der Nacht zum Sonntag die „Sommerzeit“ einführt, lässt sich vermuten, dass die MESZ 2 Uhr bzw. die ukrainische Ortszeit drei Uhr sein wird, während der Sendetermin per Weltzeit (GMT) dann auf 00:00 Uhr lauten wird.
Der ukrainische Radiodienst sendet ansonsten rund um die Uhr auf Ukrainisch oder Russisch auf  1278 kHz; während der Nachtstunden ist der vermutlich bei Odessa betriebene Mittelwellensender auch in Mitteleuropa mäßig bis gut zu hören.

QSL-Karte von Radio Ukraine International, ca. 2016
QSL-Karte von Radio Ukraine International, ca. 2016*)

Das ukrainische Auslandsradio sendet derzeit auf Ukrainisch oder Russisch über den Kleinsender Kall Krekel auf 6005 kHz um derzeit 09:00 Uhr GMT und über WRMI in Florida auf 5010 kHz auf Englisch um 12:00 GMT.
Das Programm auf 6005 kHz dauert üblicherweise eine; das Programm auf 5010 kHz üblicherweise eine halbe Stunde. Vor allem 5010 kHz dürfte in Mitteleuropa allerdings Glücksache sein. Wer gute Empfangschancen haben möchte, fährt wohl am besten nach Kuba.

Update 26.03.22
Die englischsprachige Nachrichtsendung dauert nur etwa fünf Minuten ab 12:00 GMT und ist offenbar auch hier Teil des Inlandsprogramms (wie schon auf 1278 kHz).
Empfang mit einem SDR-Empfänger in Florida via remote ist mit diesem Link nahezu verlässlich möglich: NO2CW (Rufzeichen), Hollywood, FL, Region Miami

Nachdem BBC und Radio Österreich International ihre Kurzwellensendungen schon vor etwa einem Monat ausgeweitet hatten, fügte am 21. März auch Radio Vatikan seinen russisch- und ukrainischsprachigen Sendungen jeweils zwanzig Sendeminuten hinzu. Für die Ukrainischprogramme erwartet der Mediendienst von RBB-Radioeins ab 27.03. eine Anpassung an die „Sommerzeit“; nicht aber für die Russischprogramme.

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*) South East Asia DXing, March 5, 2016

Biden-Xi-Gespräch (am 18.03.22): „Absolut gefährlich“

Wenn jeder weiß, was der andere denkt, während er etwas anderes sagt, nennt man das wohl gelingende Diplomatie – jedenfalls, wenn der Zustand der Beziehungen als zerrüttet gelten muss. So auch im Videogespräch der amerikanischen und chinesischen Staatsoberhäupter am vorigen Freitag.
Was auf den ersten Blick auffällt, sind die Redeanteile der Staatschefs laut Xinhua. Das darf man nicht für bare Münze nehmen – es handelt sich hier um eine redaktionelle Auswahl aus dem bilateralen Gespräch -; aber es zeigt, wieviel Wert die chinesische Presse auf das legt, was der personenkultumwaberte Partei- und Staatschef Xi Jinping zu sagen hat.
Im übrigen fällt die Verlautbarung des Weißen Hauses (mit insgesamt gerade mal 164 Wörtern) noch sparsamer zu Lasten des Gegenübers aus.

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Zeichenzähler: Biden 224; Xi 1187;  beide 88

Das erste erfolgreiche Aneinander-Vorbeireden betrifft die legendäre „Ein-China-Politik“. Was das von China in wohl jedem Abkommen über diplomatische Beziehungen untergebracht hat, kann von Land zu Land etwas anderes bedeuten, je nach seinerzeitigem Verhandlungsergebnis. Die USA zum Beispiel „bestätigten“ im 1979 von Washington und Beijing gemeinsam veröffentlichten „Shanghai-Communiqué“ die (seinerzeit) „das von Chinesen auf beiden Seiten der Taiwan-Straße behauptete eine China, von dem Taiwan ein Teil sei“. Eine eigene Position nahmen die USA nicht dazu ein.
Wenn nun Biden erklärt, Amerika halte seine „Ein-China-Politik“ aufrecht, weiß Xi, dass das keine Anerkennung einer chinesischen Souveränität über Taiwan bedeutet.
Aber als ob sie beide das Gleiche meinten,, erklärt Xi seine Wertschätzung der Aussage Bidens.

Danach geht Xinhua zu einer Wiedergabe von Vorwürfen über, die Xi gegenüber Washington erhebt. Die Beziehungen hätten sich von den Schwierigkeiten, welche „die vorige Administration“ (also die Trumps, aber ohne Namen zu nennen) geschaffen habe, keineswegs erholt, und vielmehr entstünden immer weitere Herausforderungen in den bilateralen Beziehungen. Im Weiteren erklärt Xi:

Insbesondere senden einige Leute in Amerika falsche Signale an die eine „taiwanische Unabhängigkeit“ unterstützenden Kräfte [in Taiwan]. Dies ist absolut gefährlich. Wenn die Taiwanfrage nicht gut gehandhabt wird, kann das auf die [chinesisch-amerikanischen] Beziehungen einen unterminierenden Einfluss haben. Wir hoffen, dass Amerika dem genügend Gewicht beimisst. Die unmittelbare Ursache für die in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen hervortretende Situation ist, dass einige Leute auf der amerikanischen Seite den bedeutenden Konsens, den wir beide [Xi und Biden] erzielt haben, nicht umsetzen, und dass sie auch die positiven Aussagen des Herrn Präsidenten nicht in die Praxis umgesetzt haben. Die amerikanischen strategischen Absichten gegenüber China haben Fehldeutungen und falsche Einschätzungen hervorgebracht.

特别是美国一些人向“台独”势力发出错误信号,这是十分危险的。台湾问题如果处理不好,将会对两国关系造成颠覆性影响。希望美方予以足够重视。中美关系之所以出现目前的局面,直接原因是,美方一些人没有落实我们两人达成的重要共识,也没有把总统先生的积极表态落到实处。美方对中方的战略意图作出了误读误判。

Der „Kredit“, den Xi Biden demonstrativ einräumt und seine Verurteilung der vorangegangenen Trump-Administration folgt einem opportunistischen Muster, mit dem China auch seine eigenen alten Dynastien zu beurteilen pflegt. Jedes Elend und jeder Makel sind das Erbe finsterer Gestalten der vor-„kommunistischen“ Zeit, und die Partei ist die Mutter jeden Fortschritts. So können die Machthaber von heute umso konstruktiver miteinander reden; freilich bleibt dabei die Geschichtsschreibung auf der Strecke – zumindest die öffentliche.

Hinzu kommt hier bei Xi eine ähnliche Ambiguität, wie Amerika sie hinsichtlich des Status Taiwans walten lässt: wer sind „einige Leute in Amerika“? Damit können Teile der Biden-Administration gemeint sein, aber auch Oppositionspolitiker wie z. B. Trumps Außenminister Pompeo (aus chinesischer Sicht eine Ausgeburt der Hölle – zum Beispiel deswegen).

Da man eine Opposition in China nicht kennt, kann mit denen, die Xi vorsichtig als anti-Biden-und-Xi-Saboteure darstellt, auch irgendein missliebiger amerikanischer Zeitungskolumnist gemeint sein.

Danach wendet sich das Gespräch – laut Xinhua – dann der Ukraine zu. Xi äußert die selben Stichworte wie immer: man müsse eine Eskalation vermeiden, die Beteiligten müssten ihre Aufmerksamkeit den Aufgaben des Moments zuwenden, man müsse das Lagerdenken und die „Kalte-Kriegs-Mentalität“ überwinden, und – schlussendlich – beide Staatsoberhäupter werden jeweils Anstrengungen unternehmen, um a) die Beziehungen ihrer beiden Länder auf stabile Gleise zu bringen und b) Anstrengungen für eine angemessene Lösung der „Ukraine-Krise“ zu unternehmen.

Als chinesische Anliegen lassen sich in der Xinhua-Wiedergabe des Gesprächs neben weniger problembelasteten chinesisch-amerikanischen Beziehungen vor allem wirtschaftliche Anliegen erkennen. Die Situation, „zu der es in der Ukraine gekommen“ sei, sei nicht das, was China sehen wolle, wird Xi zitiert. Er kritisiert „umfassende und wahllose Sanktionen“ (die „Leiden unter den einfachen Leuten“ verursachten, und weist auf die doppelte Herausforderung für die Weltgesundheit (Covid-Sars-Bekämpfung) und die globale wirtschaftliche Entwicklung hin, die sich durch die aufeinanderfolgenden Krisen ergäben.

In einem Punkt mag das Gespräch hinsichtlich der Ukraine allerdings von den üblichen Sprechblasen abgewichen sein: „nur derjenige, der [dem Tiger] die Glocke umgehängt hat, kann sie ihm auch wieder abnehmen“.

Der höflicherweise altertümliche Spruch lässt zwar offen, wer für den Unruhestifter gehalten wird, der die böse Tat beging, aber man darf wohl annehmen, dass er nicht vornehmlich auf Russland  zielt.

Und tatsächlich weichen die Xinhua-Darstellung und die Verlautbarung des Weißen Hauses auch in einer Auslassung der Biden-Position voneinander ab. Glaubt man dem Weißen Haus, hat Biden Beijing nämlich mit Konsequenzen für den Fall gedroht, dass China Russland in seinem Krieg gegen die Ukraine substanziell unterstütze.

Zum Abschluss vermerkt Xinhua, dass Ding Xuexiang (Leiter des ZK-Büros der KP Chinas), Liu He (Wirtschaftsberater Xis), Außenminister Wang Yi sowie weitere Personen während des Gesprächs auf chinesischer Seite anwesend gewesen seien.

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Weiterführende Links

Deeply felt & lamented, JR’s China Blog, 10.03.22

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Kurzwellensendungen mit Themenschwerpunkt Ukraine-Krieg

Nachstehend eine Übersicht von Kurzwellensendungen mit Ukraine-Berichterstattung, zeitlich und nach Sprachen geordnet.

Wer selbst keinen Kurzwellenempfänger zu Hause hat, hat online eine große Auswahl, ganz in der Nähe zum Beispiel den fernsteuerbaren software-definierten Kurzwellenempfänger der Universität Twente.

Schulungssender des Österreichischen Bundesheeres, QSL-Karte vom 28. Juli 1986
Wer einen Morselehrgang brauchte, war in den 1980ern auf 5035 kHz genau richtig

Wo vorhanden, sind die Sendernamen mit Links zu ihren Websites unterlegt. Alle Zeiten sind in GMT, das heißt: MEZ minus 1 Stunde.

Auf Deutsch

06:00 – 07:10 Radio Österreich International, täglich auf 6155 kHz
07:00 – 07:25 Radio Rumänien International, täglich auf 7345 kHz
10:30 – 10:55 Radio Prag, täglich auf 6005 kHz
11:00 – 12:00 Radio Österreich International, täglich auf 13730 kHz
11:00 – 11:20 Radio Slowakei International, täglich auf 6005 kHz
11:31 – 11:59 SRF Schweiz, täglich auf 6005 kHz
16:00 – 16:29 Polnischer Rundfunk, täglich auf 6005 kHz
17:00 – 17:29 Polnischer Rundfunk, täglich auf 1386 kHz
17:00 – 17:25 Radio Österreich International, mo bis fr + so auf 5940 kHz
18:01 – 18:15 Radio Bulgarien, mo bis fr auf 3985 kHz

Auf Englisch

13:00 – 15:00 BBC World Service, montags bis freitags auf 15730 kHz
19:30 – 20:00 Voice of America, mo bis fr auf 15770 kHz
20:00 – 22:00 BBC World Service, täglich auf 5875 kHz

Andere Sprachen

05:00 – 06:00 Radio Ukraine, täglich auf 7780 kHz, Ukrainisch/Russisch
09:00 – 10:00 Radio Ukraine, täglich auf 6005 kHz, Ukrainisch/Russisch
11:00 – 12:00 Radio Taiwan, täglich auf 9490 kHz, Russisch
17:00 – 17:30 Radio Taiwan, täglich auf 5900 kHz, Russisch
17:30 – 17:59 Radio Japan, täglich auf 1386 kHz, Russisch

Aus Russland gibt es leider keine Kurzwellenprogramme mehr; vom Zeitzeichensender RWM einmal abgesehen.

Viele dieser Programme werden über die selben Sendeanlagen ausgestrahlt. Radio Prag, Radio Slowakei, SRF, der polnische Rundfunk und Bulgarien nutzen Kall-Krekel, einen Kleinsender in der Eifel, der polnische Rundfunk und Radio Japan nutzen einen Mittelwellensender in Litauen, und Radio Ukraine hat zwei jeweils einstündige Kurzwellensendungen, um 05:00 GMT über den Sender Radio Miami International und um 09:00 GMT über Kall-Krekel.

Die Voice of America ist auch auf eigenen Frequenzen zu hören, nutzt aber für ihren „Flashpoint Ukraine“ von 19:30 – 20:00 GMT ebenfalls Radio Miami International.

Anmerkungen und Korrekturen sind willkommen, Änderungen oder Aktualisierungen erfolgen ggfs. laufend.

Englischsprachige Kurzwellenprogramme zum Ukrainekrieg (Stand: 14.03.22)

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Kurzwellenrundfunk aus Russland ist Geschichte: QSL-Karte des sowjetischen Auslandssenders Radio Moskau (Motiv: Lenin-Mausoleum), 1980er Jahre

Der BBC World Service sendet derzeit laut eigenem Frequenzplan von 13:00 bis 15:00 GMT*) auf 15730 kHz sowie von 20:00 bis 22:00 GMT auf 5875 kHz für Russland und die Ukraine.
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*) Auch bekannt als UTC (Universal Time Coordinated) oder Weltzeit; MEZ = GMT + 1 Stunde

Hingegen ist laut dem Medienmagazin „Wavescan“ das Nachmittagsprogramm nicht ab 13, sondern ab 14:00 GMT bis 16:00 GMT zu hören – die Frequenz ist so oder so 15730 kHz.

Die Abendausstrahlung ist auch in Nordwestdeutschland (und übereinstimmend von „Wavescan“) zu den von der BBC angegebenen Zeiten gut zu hören.

Unabhängig vom Ukrainekrieg sendet die BBC traditionell für Hörer in verschiedenen Teilen Afrikas und Asiens auf Kurzwelle – Details dort.

„Wavescan“ verweist auf einen Artikel der „Radioworld“, laut dem die BBC ihre Russischprogramme auf Kurzwelle einstellte, nachdem die britische Regierung ihre Mittelzuweisungen an den World Service reduziert hatte. Online existiert „BBC Russian“ weiter.

Ebenfalls laut „Radioworld“ planen andere öffentlich finanzierten Sender – außer dem am 04.03. schon erwähnten österreichischen Rundfunk ORF –  keine kriegsbedingten Kurzwellenausstrahlungen. Die „Voice of America“ vermutet nur wenige Kurzwellenhörer in den Zielgebieten, und „Radio Canada International“, bis 1991 sogar auf Deutsch gut zu hören, existiert allenfalls noch auf dem Papier.

Allerdings lässt die Aktivität russischer Teilnehmer am Amateurfunk auf den  Kurzwellenfrequenzen die Vermutung zu, dass zumindest ältere – und technisch interessierte – Menschen auch Rundfunkprogramme auf Kurzwelle durchaus noch einschalten oder zufällig über sie „stolpern“.

Die Programmgestaltung an sich bleibt aber auch bei der „Voice of America“ vom Krieg nicht unberührt. Ein „Flashpoint Ukraine“ wurde aufgelegt, der online zugänglich ist (oder dank Internetblockaden auch nicht). Der privatwirtschaftliche Sender „Radio Miami International“ (WRMI) übernimmt den „Ukraine Flashpoint“ von der „Voice of America“ und strahlt ihn nach eigenen Angaben ab dem 14.03.22 (also heute) von 19:30 bis 20:00 GMT (20:30 bis 21:00 MEZ) auf 15770 kHz aus. Der Empfang ist um diese Zeit in Nordwestdeutschland üblicherweise brauchbar bis gut.

Russlands Krieg: „Der Drache analysiert die Fehler des Bären“

Szenarien

An Prognosen im Ukrainekrieg ist kein Mangel, und vielfältig sind sie obendrein. Der frühere OSZE-Koordinator Toni Frisch, vom Schweizer Radio SRF auf seinen etwa eine Woche alten Vorschlag angesprochen, der Schweizer Bundespräsident solle eine Ukraine-Konferenz einberufen, wies darauf hin, dass die Lage veränderlich sei. Wer da mit wem reden solle,

„[d]as hängt natürlich sehr stark auch von der Entwicklung ab. Vor einer Woche war noch klar, da waren die beiden Parteien, sagen wir einmal, die Ukraine und Russland. Jetzt heute, oder vielleicht in einer Woche, oder in zehn Tagen aussieht, ist es schon vielleicht ganz anders. Denn die ukrainische Delegation in zehn Tagen hängt vielleicht schon von Putins Gnaden ab. Denn es ist ja eine Frage der Zeit, wie lange es dauert, dass die Ukraine noch standhalten kann.“


Optimistischer sieht das der vom polnischen Radioauslandsdienst wiedergegebene Teil der polnischen Presse. Der neue amerikanische Botschafter in Warschau zumal wird von der konservativliberalen „Rzeczpospolita“ damit wiedergegeben, er sei

überzeugt, dass Putin sich als ineffektiver Anführer erwiesen habe und den Krieg daher verlieren werde. Putin habe unterschätzt, dass die Russen ins Ausland reisen, ihre Kinder auf ausländischen Hochschulen ausbilden und Teil der internationalen Gemeinschaft sein wollen. Putin würde ihnen all dies im Namen einer nebulösen Vision des Wiederaufbaus des Sowjet-Imperiums nehmen.

Mit gleich drei Szenarien wartet das nächste vom polnischen Auslandsradio zitierte Blatt, „Dziennik/Gazeta Prawna“, auf und beendet seine Ausführung mit der Bemerkung, China beobachte den Konflikt „sehr aufmerksam“ und analysiere die Lage genauestens, „unter anderem um die Fehler des russischen Bären nicht zu wiederholen“.

Der bereits genannte Drache ist laut Außenminister Wang Yi, zitiert vom Chinesischdienst der BBC, zu Vermittlungsdiensten bereit (und wäre damit schneller als die Schweiz, sofern sich das Angebot aus Beijing materialisiert). Wang äußerte sich auf der jährlichen Pressekonferenz des Außenministers anlässlich der „zwei Versammlungen“ in Beijing entsprechend. Die „zwei Versammlungen“ sind die „Politische Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes“ und die Vollversammlung des chinesischen Scheinparlaments, des „Nationalen Volkskongresses“.

Allerdings äußerte sich Wang nicht spezifischer. Es werde vermittelt, wenn die Notwendigkeit dazu gekommen sei.

Internationale Kriegsfreiwillige

Nahezu zwanzigtausend Bewerber für einen freiwilligen militärischen Dienst für die Ukraine gebe es inzwischen, aus 52 Ländern, zitiert der Chinesischdienst des türkischen Radios TRT den ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba.

Medienzugang und Informationsfreiheit

Die meisten der zahlreichen Kiewer Fernsehstationen seien weiterhin auf Sendung, bemerkt Chris Greenway, Beobachter internationaler Medien beim Monitoringdienst der BBC. Viele von ihnen sendeten allerdings ein gemeinsames Programm.

Auch das ukrainische Radio sendet offenbar seit dem 24.02.22 ein Einheitsprogramm.

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Niemand hier ist ein Regierungssender!

Die deutsche Auslandsinternetplattform „Deutsche Welle“ (DW) und die russische Auslandsinternetplattform „RT“ hingegen teilen zwei schwere Schicksale. Zum einen sind sie für ihr jeweiliges Zielgebiet geblockt (also respektive die Russische Föderation und die Europäische Union). In ihren Reaktionen darauf legen sie den Internetnutzern die Verwendung von Proxyservern, Tor, Telegram oder ähnlichen Umgehungsanwendungen nahe.

Zum anderen haben sie keine Kurzwellensendungen. Die „Deutsche Welle“ hatte früher allerdings mal welche – auch auf Russisch -, und Großbritannien und Österreich weiten ihre ohnehin nie ganz aufgegebenen Kurzwellensendungen derzeit wieder aus.

Kriegswirtschaft

Ein paar Absetzbewegungen von der absoluten Globalisierung gibt es schon seit Jahren; der Ukrainekrieg könnte sie weiter beschleunigen. Beispielhaft dafür die Autoindustrie: Skoda in Tschechien, die ganze VW-Gruppe und BMW dort und anderswo.

Und in der womöglich „am schnellsten wachsenden Flüchtlingskrise seit dem 2. Weltkrieg“ sind seit Kriegsbeginn bis gestern Mittag laut UNHCR mehr als 1,5 Millionen Menschen aus der Ukraine in andere Länder geflüchtet. Über die Zahl der Toten und Schwerverletzten kann man wohl nur spekulieren.

Mit dem Krieg kommt die Kurzwelle zurück

British Broadcasting Corporation (BBC)

Das Interesse in Russland an der russischsprachigen Website der BBC ist in den letzten Wochen laut Pressemitteilung des Senders erheblich gestiegen. Zur Übertragungssicherheit (soll heißen: um etwaige russische Internetsperren zu umgehen) gebe es außerdem Sendezeiten auf Kurzwelle. Das ergibt durchaus Sinn; noch unbestätigten Angaben zufolge wird die BBC in Russland online bereits geblockt, und propagandistisch vorbereitet wäre die Maßnahme allemal.
Die BBC hat ihre Kurzwellensendungen – anders als z. B. die Deutsche Welle – nie ganz aufgegeben. Hier eine Übersicht über alles, was in Europa auf Englisch zu hören ist oder zu hören sein kann.
Konkret angesichts des Kriegs Russlands gegen die Ukraine ist der BBC World Service auf Englisch zu folgenden Extra-Zeiten und auf folgenden Frequenzen zu hören:

bbc_worldservice_russia_ukraine_english_update
Gestrichen, 14.03.22

Update, 14.03.22:

GMT*) von GMT bis Frequenz
13:00 oder 14:00 15:00 oder 16:00 15730 kHz
20:00 2200 5875 kHz

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*) Auch bekannt als UTC (Universal Time Coordinated) oder Weltzeit; MEZ = GMT + 1 Stunde
Außerdem ist eine halbe Stunde auf Russisch vorgesehen, von 18:00 bis 18:30 GMT.
Unbestätigte / nicht selbst nachgehörte Quelle:
@radiopassioni

Radio Österreich / ORF

Der österreichische Rundfunk hat die Kurzwelle nie ganz verlassen, jeden Werktagsmorgen von 06:00 bis 07:20 GMT und jeden Samstag-/Sonntagmorgen von 06:00 – 07:10 GMT strahlt er ohnehin sein Morgenjournal bzw. ein Sonntagsprogramm aus, stets auf 6155 kHz. Hinzu kommen jetzt Mittagssendungen von 11:00 bis 12:00 GMT auf 13730 kHz von montags bis sonntags, und Abendsendungen von montags bis freitags von 17:00 bis 17:25 GMT auf 5940 kHz. Die Mittagssendung enthält auch eine zwei- bis dreiminütige Nachrichtensendung auf Englisch, etwa von 11:54 bis 11:57 GMT.

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Ganz Ohr

Rumänien

Rumäniens Auslandsradio sendet, wie viele andere mittel- und osteuropäische Länder auch, unter anderem auf Deutsch, aber im Gegensatz zu vielen anderen weiterhin über eigene Kurzwellensender. Die Frequenzen finden sich auf der Website des Senders.

Die Früh- und Nachmittagsprogramme sind regelmäßig gut zu hören; bei den Abendprogrammen am besten einfach probieren, ob sie gerade gut gehen.

Schweiz

Die Schweiz sendet nicht über eigene Kurzwellensender; es gibt aber seit Jahren eine Mittags- und Abendsendung auf Deutsch über einen deutschen Kleinsender in der Eifel. Mittags ab 11:31 GMT (also 12:31 MEZ) auf 6005 kHz, und von 17:00 bis 18:00 GMT auf 3985 kHz.
Die Streams des Kurzwellensenders lassen sich aber auch online auf der Website des Senderbetreibers nachhören – von dort auf „online hören“ oben rechts klicken. Es lohnt sich eigentlich während der gesamten täglichen bzw. abendlichen Sendezeit; hier kommen Sender aus europäischen Ländern zu Wort, von denen man sonst in Deutschland viel zu wenig hört. Etwa die Hälfte der übertragenen Programme werden von deutschsprachigen Redaktionen von Tschechien bis Bulgarien produziert.

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Related/Updates

„Use internet block bypass tools“, DW, March 4, 2022

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Putins Experiment

Russland habe, nur mit seinem Truppenaufmarsch und dem Szenario eines möglichen Krieges, den Westen an den Verhandlungstisch gebracht, so der österreichische Politikwissenschaftler Gerhard Mangott am Mittwochmorgen im Ö1-Journal. Diesen Trumpf – eben seine Truppenmobilisierung – werde es ungeachtet eines möglichen Teilabzugs nicht aus der Hand geben.

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Krieg? Was denn für’n Krieg? (TASS-Schlagzeilen, 2. Reihe)

Allerdings verhandelt Moskau vom Rand des Abgrunds aus – und es ist vor allem ein Abgrund für die Ukraine und für Russland selbst, ungeachtet aller von vielen Europäern befürchteten humanitären und wirtschaftlichen Rückschlägen, die sich aus einer russischen Invasion ergeben würden. Was die EU auszuhalten hätte, wenn es zu einem Krieg käme, wäre überschaubar, verglichen mit den Kriegsfolgen für Russland und dem Ziel seiner Aggression.

Putin gleicht insofern einem Selbstmordattentäter, der seine Nachbarschaft dazu auffordert, ihn ganz vorsichtig zum Abnehmen seines gut geladenen Sprengstoffgürtels zu bewegen: „nun macht mal!“

Erfolgreich war seine Truppenmobilisierung gleichwohl. Die blasierte westliche Vorstellung, man könne die Krim und den Schwarzmeerstützpunkt Sewastopol  zum Nulltarif bekommen, zerplatzte schon 2014 mit der russischen Annexion. Und jetzt platzt die in der westlichen Öffentlichkeit genährte Vorstellung, russische Bedenken hinsichtlich von westlichen Truppen oder westlicher militärischer Infrastruktur an seinen Grenzen seien halt paranoid.

So gesehen hat Putin argumentativ mächtig gepunktet.

Wie paranoid nämlich der Westen auf den russischen Truppenaufmarsch (immerhin offenbar ausschließlich auf russischem Territorium) reagierte, spricht für sich. Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit, zumindest ernsthaft mit Russland zu verhandeln – und sich selbst darüber klar zu werden, wofür man denn im äußersten Fall wirklich Krieg führen würde.

Aber auch Moskau hat Grund, den kleinen Ost-West-Konflikt (in Europa) nicht zu weit zu treiben – für seinen Olympia-Besuch und für die Intensität jedenfalls, mit der Putin sich für eine „Wiedervereinigung“ Taiwans für China ins Zeug legte, bekam er zumindest öffentlich so gut wie nichts zurück. Denn ein Selbstbestimmungsrecht der Völker (eher ein Argument für eine russische als für eine ukrainische Krim) ist das letzte, was die chinesische Kolonialmacht gebrauchen kann.