Russlands Krieg: „Der Drache analysiert die Fehler des Bären“

Szenarien

An Prognosen im Ukrainekrieg ist kein Mangel, und vielfältig sind sie obendrein. Der frühere OSZE-Koordinator Toni Frisch, vom Schweizer Radio SRF auf seinen etwa eine Woche alten Vorschlag angesprochen, der Schweizer Bundespräsident solle eine Ukraine-Konferenz einberufen, wies darauf hin, dass die Lage veränderlich sei. Wer da mit wem reden solle,

„[d]as hängt natürlich sehr stark auch von der Entwicklung ab. Vor einer Woche war noch klar, da waren die beiden Parteien, sagen wir einmal, die Ukraine und Russland. Jetzt heute, oder vielleicht in einer Woche, oder in zehn Tagen aussieht, ist es schon vielleicht ganz anders. Denn die ukrainische Delegation in zehn Tagen hängt vielleicht schon von Putins Gnaden ab. Denn es ist ja eine Frage der Zeit, wie lange es dauert, dass die Ukraine noch standhalten kann.“


Optimistischer sieht das der vom polnischen Radioauslandsdienst wiedergegebene Teil der polnischen Presse. Der neue amerikanische Botschafter in Warschau zumal wird von der konservativliberalen „Rzeczpospolita“ damit wiedergegeben, er sei

überzeugt, dass Putin sich als ineffektiver Anführer erwiesen habe und den Krieg daher verlieren werde. Putin habe unterschätzt, dass die Russen ins Ausland reisen, ihre Kinder auf ausländischen Hochschulen ausbilden und Teil der internationalen Gemeinschaft sein wollen. Putin würde ihnen all dies im Namen einer nebulösen Vision des Wiederaufbaus des Sowjet-Imperiums nehmen.

Mit gleich drei Szenarien wartet das nächste vom polnischen Auslandsradio zitierte Blatt, „Dziennik/Gazeta Prawna“, auf und beendet seine Ausführung mit der Bemerkung, China beobachte den Konflikt „sehr aufmerksam“ und analysiere die Lage genauestens, „unter anderem um die Fehler des russischen Bären nicht zu wiederholen“.

Der bereits genannte Drache ist laut Außenminister Wang Yi, zitiert vom Chinesischdienst der BBC, zu Vermittlungsdiensten bereit (und wäre damit schneller als die Schweiz, sofern sich das Angebot aus Beijing materialisiert). Wang äußerte sich auf der jährlichen Pressekonferenz des Außenministers anlässlich der „zwei Versammlungen“ in Beijing entsprechend. Die „zwei Versammlungen“ sind die „Politische Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes“ und die Vollversammlung des chinesischen Scheinparlaments, des „Nationalen Volkskongresses“.

Allerdings äußerte sich Wang nicht spezifischer. Es werde vermittelt, wenn die Notwendigkeit dazu gekommen sei.

Internationale Kriegsfreiwillige

Nahezu zwanzigtausend Bewerber für einen freiwilligen militärischen Dienst für die Ukraine gebe es inzwischen, aus 52 Ländern, zitiert der Chinesischdienst des türkischen Radios TRT den ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba.

Medienzugang und Informationsfreiheit

Die meisten der zahlreichen Kiewer Fernsehstationen seien weiterhin auf Sendung, bemerkt Chris Greenway, Beobachter internationaler Medien beim Monitoringdienst der BBC. Viele von ihnen sendeten allerdings ein gemeinsames Programm.

Auch das ukrainische Radio sendet offenbar seit dem 24.02.22 ein Einheitsprogramm.

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Niemand hier ist ein Regierungssender!

Die deutsche Auslandsinternetplattform „Deutsche Welle“ (DW) und die russische Auslandsinternetplattform „RT“ hingegen teilen zwei schwere Schicksale. Zum einen sind sie für ihr jeweiliges Zielgebiet geblockt (also respektive die Russische Föderation und die Europäische Union). In ihren Reaktionen darauf legen sie den Internetnutzern die Verwendung von Proxyservern, Tor, Telegram oder ähnlichen Umgehungsanwendungen nahe.

Zum anderen haben sie keine Kurzwellensendungen. Die „Deutsche Welle“ hatte früher allerdings mal welche – auch auf Russisch -, und Großbritannien und Österreich weiten ihre ohnehin nie ganz aufgegebenen Kurzwellensendungen derzeit wieder aus.

Kriegswirtschaft

Ein paar Absetzbewegungen von der absoluten Globalisierung gibt es schon seit Jahren; der Ukrainekrieg könnte sie weiter beschleunigen. Beispielhaft dafür die Autoindustrie: Skoda in Tschechien, die ganze VW-Gruppe und BMW dort und anderswo.

Und in der womöglich „am schnellsten wachsenden Flüchtlingskrise seit dem 2. Weltkrieg“ sind seit Kriegsbeginn bis gestern Mittag laut UNHCR mehr als 1,5 Millionen Menschen aus der Ukraine in andere Länder geflüchtet. Über die Zahl der Toten und Schwerverletzten kann man wohl nur spekulieren.

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