Nordkorea: Vergangenes Glück und Helden der Arbeit

Eigentlich gehört oder gehörte es in den ursprünglich konfuzianisch geprägten „Volksrepubliken“ Ostasiens zur „ideologischen Arbeit“, sich anhand der schweren einstmaligen vorrevolutionären Vergangenheit das Glück der Gegenwart (in der Obhut der jeweiligen Staatspartei) zu vergegenwärtigen. Allerdings mag das in China nachgelassen haben (ich weiß es nicht, mich lädt ja niemand zu den entsprechenden Schulungssitzungen ein).

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Abgehakt: man sei jetzt Atommacht, lässt das Regime die Bevölkerung wissen –
und wendet sich wirtschaftlichen Fragen zu

Komplexer ist die Sache aber ohnehin in Nordkorea. Nicht einmal die hundertprozentig durch die nordkoreanische „Arbeiterpartei“ kontrollierten Medien verschweigen der in- und ausländischen Öffentlichkeit, dass die Wirtschaft des Landes in Schwierigkeiten steckt und die Normalkonsumenten darunter zu leiden haben. Häufig allerdings äußert sich dieser Sachverhalt in relativen „Erfolgsmeldungen“ – Fortschritte in der Fischzucht (also vor allem bei der Steigerung der Produktion von Essbarem), Fortschritte in der Bauindustrie (wobei zu befürchten steht, dass die Narrative der Wirklichkeit weit voraus sind), oder in ausführlichen Neujahrsparties. Die Hervorhebung der Anstrengungen soll auch ihre Notwendigkeit hervorheben.
Ungewöhnlich explizit fiel daher eine Würdigung dessen aus, was die 1970er und 1980er Jahre mit Pyongyang gemacht hätten:

In die Geschichte des Aufbaus der Hauptstadt der Demokratischen Volksrepublik Korea ist die „Zeit des Gedeihens in Pyongyang“, eine Zeit der Schaffung und Umwälzung, eingegangen,

erklärte das nordkoreanische Auslandsradio am 19. November, und:

Für die Einleitung der „Zeit des Gedeihens in Pyongyang“ hatte der Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas, Kim Jong Il, gesorgt.
Das Wesen und das Hauptantlitz des Aufbaus der Stadt Pyongyang bestanden darin, die Stadt in ein schönes und prächtiges Paradies des Volkes zu verwandeln und ihr die Würde der Residenz des Präsidenten Kim Il Sung zu verleihen. Das entsprach eben dem Konzept des Herrn Kim Jong Il für Aufbau der Hauptstadt.

Das Besondere dieser Huldigungen an den Großvater des derzeitigen Machthabers ist, dass sie zu Lasten des letzteren gehen – auch wenn sie pflichtschuldigst mit dem Bekenntnis enden, „unter Leitung vom Herrn Kim Jong Un wird heute Pyongyang immer schöner“.

Ein solcher Bericht grenzt schon fast an Selbstkritik.

Völlig neu freilich wären Eingeständnisse von Unfehlbarkeiten ohnehin nicht. Nach einer gescheiterten Währungsreform vor zwölf Jahren entschuldigte sich der damalige Regierungschef Nordkoreas, und das Regime opferte Berichten zufolge Dutzende „Schuldiger“, darunter den Direktor der Planungs- und Finanzabteilung der nordkoreanischen „Arbeiterpartei“.

Überhaupt gilt das Lob der zentralen Machtorgane Nordkoreas neben den Vorfahren Kim Jong-uns insbesondere denen, die im Alltag tatsächliche oder propagandistisch kreierte Erfolge vorzuweisen haben. Der südkoreanische Radioauslandsdienst beschreibt das wie folgt (Links in zitierten Texten von mir eingefügt):

Nordkorea hat zum ersten Mal seine ‚Konferenz der Spitzenreiter der „Drei Revolutionen“ im November 1986 abgehalten. Die Veranstaltung sollte alle zehn Jahre mit dem Ziel durchgeführt werden, Beamten und Einheiten größeren Respekt entgegenzubringen, die sich in den drei Bereichen Ideologie, Technologie und Kultur ausgezeichnet haben. Die jüngste Konferenz fand in diesem November statt, nur sechs Jahre nach der vierten im Jahr 2015. Zum Thema sagt Hong Min vom Korea-Institut für Nationale Vereinigung:

„Der frühere nordkoreanische Machthaber Kim Il-sung rief beim fünften Parteikoogress 1970 dazu auf, die Revolution in drei Bereichen, Ideologie, Technologie und Kultur eingeschlossen, durchzuführen. Sein Sohn und Nachfolger Kim Jong-il startete die sogenannte Bewegung der Roten-Flaggen-Errungenschaften, um sichtbare Ergebnisse in den drei Revolutionen hervorzubringen. Dabei werden je nach dem Ergebnis der Revolutionen rote Flaggen an einzelne Personen vergeben. In diesem Jahr jährt sich zum zehnten Mal die Machtübergabe an Kim Jong-un. Nordkorea hofft, das Ereignis groß feiern zu können. Doch gibt es nur wenige Errungenschaften, deren es sich brüsten kann. Um die Personen, die in jedem Bereich hart gearbeitet haben, durch Veranstaltungen wie die jüngste herauszustellen, scheint Nordkorea die innere Einheit festigen und zugleich die Menschen besänftigen zu wollen, die unter den wirtschaftlichen Schwierigkeit leiden.“

Kim Jong-un selbst habe nicht viel vorzuweisen, wenn es um praktische wirtschaftspolitische Erfolge gehe, so der von KBS zitierte Experte. Er sei vermutlich „auf Hinterlassenschaften der Ära seines Vaters und Großvaters angewiesen“.

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