Rückblog: Chinesische Wirtschaftspolitik als Wille & Vorstellung

Schwingt die KP Chinas den wirtschaftspolitischen Chaos-Hammer? Gibt es etwa „Springer“-Medien, die Lügen verbreiten? Und wo ist die indo-pazifische Region? Das Suchen hat ein Ende: hier sind die (vorläufigen) Antworten. 20131203_sieben_tage

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Freitag, 13.08.21 / 15.04.21 / 20.08.21 Epoch Times / Financial Times / VoA

Beijings Wirtschaftspolitik: vom „Unechten“ zur Realwirtschaft?

Sowohl in den internationalen Medien als auch bei denen der Auslandschinesen bestehe eine erhebliche Unkenntnis der chinesischen Wirtschaftspolitik, befand die exilchinesische Ökonomin He Qinglian in einem am 13. August von der Exilzeitung „Epoch Times“ veröffentlichten Artikel. Nachdem die Herrschaft des Partei- und Staatschefs Xi Jinpings als stabilisiert und unbefristet gelte, gehe dieser dazu über, die Wirtschaft „vom Unechten zum Realen“ zu trimmen. Die im Ausland prominentesten Opfer dieser Kampagne waren bisher vermutlich Jack Ma und die mit Mas Unternehmensimperium verbundene Personenbeförderungsvermittler „Di Di“.

Die USA und China bewegten sich damit in entgegengesetzte Richtungen, so He.

Es greife zu kurz, die chinesische Regulationswelle als eine Art von Chaos-Hammer zu deuten, den die Parteiführung derzeit schwinge. Es handle sich vielmehr um einen systematischen wirtschaftspolitischen Ansatz, dessen Ergebnisse oder Folgen allerdings noch abzuwarten seien.

Vereinfacht lässt sich diese Wirtschaftspolitik oder -absicht vielleicht so zusammenfassen: alles, was nicht Realwirtschaft ist, hat eine dienende Funktion. Oder halt auch die von Kompetenzzentren – aber unter politischer Aufsicht.

Zu kurz greift, so gesehen, aber auch ein Großteil der internationalen Berichterstattung. Ma sei eine Kultfigur geworden, so die „Financial Times“ im April*), aber „er wurde zu mächtig in einem Land, das nur ein einziges Machtzentrum erlaubt“.

Differenzierter als das Kultblatt der Finanzwirtschaft beschreibt es die Voice of America. „Das Genie, wenn Sie so wollen, des chinesischen Wirtschaftssystem liegt darin, dass sie daran arbeiten, Unternehmensinteressen und Staatsinteressen auf einander auszurichten“, zitierte die „Voice“ am 20. August den Ökonomen Robert D. Atkinson. „Was die Chinesen haben und was wir nicht haben ist, dass sie eine ausgeprägte Ansicht haben, dass bestimmte Industrien wichtiger sind als andere.“

„Die ganze Vorstellung, dass wir keine eigene Industriepolitik haben sollten – das ist eine Idee, die nur funktioniert, wenn man es nicht mit einem Wettbewerber wie China zu tun hat,“ so Atkinson. „Wir können entweder China zu Veränderungen veranlassen – das wird nicht passieren, das haben wir versucht und sind gescheitert -, oder wir können unsere eigenen [Industrie]politiken anpassen.“

Atkinson kommt damit auf Vorstellungen zurück, die auch während Barack Obamas Präsidentschaft eine Rolle spielten und mit Joe Biden wieder Aufwind bekommen. In Amerika Ideen und Blaupausen zu entwickeln und dann anderen die Umsetzung zu überlassen sei schon rechnerisch keine realistische Arbeitsteilung, hielt Anfang 2010 der Mathematiker Ralph E. Gomory dem Kolumnisten Thomas L. Friedman vor:

„Wir brauchen erfolgreiche Industrien, und wir müssen innerhalb dieser innovativ sein, damit sie erfolgreich sind. Aber wenn unser Handelspartner eher ans Bruttoinlandsprodukt denkt als an den Profit, und wenn er merkantilistische Taktiken anwendet, Industrien subventioniert und seine Währung falsch bewertet, während du Geld von ihm leihst, um diese unterbewerteten Güter zu kaufen, kann es sein, dass das einfach nicht funktioniert.“

Mittwoch, 25.08.21 Korean Herald

„Aus Respekt vor den Rechten Minderjähriger“

Eine im internationalen Vergleich drakonische Maßnahme zur Bekämpfung der Spielsucht Minderjähriger geht in Südkorea nach zehn Jahren zu Ende, bleibt aber im Vergleich zu Deutschland immer noch recht restriktiv. Bisher durften Kinder und Jugendliche zu entsprechenden Online-Games kein Zugang ermöglicht werden. Nun liegt die Verantwortung für einen begrenzten Zugang verstärkt bei den Minderjährigen selbst und bei ihren Eltern oder Betreuern. Die Gamer selbst oder ihre Eltern können Zeitfenster definieren, in denen sie Zugang zu Online-Games haben.

Da kann man nur hoffen, dass der Teil der Eltern, die den Mut zum Steckerziehen haben, in Südkorea größer ist als der in Deutschland.

Donnerstag, 26.08.21 „Der Freitag“ (online)
Moment mal.
Ein „Springer“-Medium verbreitet Lügen oder hat keine Ahnung??
Dienstag, 24.08.21 Voice of Vietnam
U.S.-Vizepräsidentin Kamala Harris werde bei ihrem Vietnam-Besuch die starken kulturellen Beziehungen und die Beziehungen auf Nichtregierungsebene (oder wie übersetzt man people-to-people ties?) bekräftigen und feiern, so die „Stimme Vietnams“ (VoV) am Dienstag.

Der Besuch werde die Beziehungen stärken und die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den USA und wichtigen Partnern in der indo-pazifischen Region stärken, so VoV.

Der Begriff „indo-pazifisch“ gehört nicht zu Beijings Lieblingsbegriffen in der internationalen Politik. Die „South China Morning Post“ in Hong Kong registrierte bereits in einer Rede der amerikanischen Vizepräsidentin in Singapur die Verwendung des Begriffs, und notierte in einem „Explainer“, der eigentlich von der Trump-Administration geprägte Bezug darin auf US-geführte Bündnisse gegen China lebe offenbar auch in der Biden-Administration fort und sei „die neue Normalität“ in der amerikanischen Außenpolitik, die sich vom Nahen Osten weg- und zum Fernen Osten hinbewege.

Dass das vietnamesische Auslandsradio eben diesen Begriff übernimmt, bedeutet wohl kaum ein achtloses Abschreiben bei amerikanischen Verlautbarungen. Zumindest zur See ist Amerika Vietnam durchaus willkommen. (Es muss ja keine U.S.-Basis an Land sein.)

Freitag, 27.08.21 Radio Taiwan International (RTI)
Nicht ganz so offiziell, aber unter dem Dach von Beziehungen zwischen Regierungsparteien, intensivieren auch Japan und Taiwan ihre sicherheitspolitische Zusammenarbeit. Schwerpunkt von Gesprächen zwischen Vertretern der japanischen Liberaldemokraten (LDP) und der taiwanischen Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) am Freitag waren laut Radio Taiwan International „nationale Verteidigung und militärischer Austausch“. Thema sollen aber auch Felder wirtschaftlicher Zusammenarbeit der beiden Länder gewesen sein.

Taiwan, das aufgrund eines chinesischen Ausschließlichkeitsprinzips zur internationalen Vertretung sowohl Chinas als auch Taiwans nur mit maximal fünfzehn Staaten weltweit volle offizielle diplomatische Beziehungen unterhält, schien vor wenigen Jahren fast hoffnungslos isoliert. Mit dem wachsenden chinesisch-westlichen Antagonismus und den zunehmenden Spannungen zwischen China und seinen Nachbarn erfährt Taiwan mittlerweile laufend Aufwertungen in seinen Beziehungen zu den USA, EU-Staaten und in seiner Region. Eine beträchtliche Wirtschafts- und Technologiemacht ist das Land mit seinen gut 20 Millionen Einwohnern ohnehin schon seit den 1980er Jahren.

Zeitraum: Freitag, 13.08.21 & Freitag, 20.08.21 bis Freitag, 27.08.21
Schönes Wochenende!

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Bemerkungen

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